Work Text:
*
*
*
Zwei Türen
Ein Flur
Fünf Schritte, sechs vielleicht.
Wir gehen sie jeden Tag -
Kommissar zu Professor
Thiel zu Boerne
Sie zu mir
Ich zu Ihnen.
So nah.
So einfach.
So unbedeutend.
In Wahrheit trennt uns -
Frank und Karl-Friedrich
Dich und mich -
Ein Graben
Ein Berg
Unüberwindbare Weite.
So fern.
So schwer.
So bedeutend.
Gefesselt in Angst und Scham,
schützend eingehüllt in Stolz,
geht keiner auch nur einen Schritt.
Gewappnet mit Worten,
zu vielen Worten,
falschen Worten,
kämpft jeder von uns
gegen sich selbst
und gegen das Du im Sie des anderen.
Bis die Kraft schwindet
und wir aufgeben,
zugeben,
Schwäche zeigen.
Uns Ausliefern -
uns selbst,
dem anderen.
~~~
Eine Tür
zwei Schritte, drei vielleicht.
-
Eine Tür
zwei Schritte, drei vielleicht.
Was einmal so leicht war,
wird plötzlich so schwer,
wenn man schwach ist
und nackt
und verwundbar.
Wenn alles viel zu viel bedeutet.
Vor jedem von uns
ein Graben
ein Berg
unüberwindbare Weite.
Dahinter -
der andere
du
-
du
ein erster Schritt
-
ein erster Schritt
Steigen hinab
hinauf
laufen laufen laufen
überwinden die Gräben
die Berge
die Weite
Unser Gepäck geschultert,
tonnenschwer wiegt sein Inhalt.
So viel schwerer
als die Angst
und die Scham
und der Stolz.
Und doch ist nichts so leicht zu tragen.
Mit jedem Schritt
wird der nächste leichter,
bedeutender,
kommst du näher.
Treffen uns
in blühenden Tälern
auf sonnenbeschienenen Gipfeln
in unendlichen Weiten.
Hungrig nach all der Zeit
öffnen wir unsere Taschen
Verzehren unser Proviant
Teilen unsere Liebe.
~~~
Unser Ziel erreicht.
Mitten im Flur
unser Paradies gefunden.
Ich dich.
Du mich.
Wir uns.
~~~
