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Language:
Deutsch
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Tatort und Polizeiruf 110: Adventskalender 2022
Stats:
Published:
2022-12-17
Words:
1,306
Chapters:
1/1
Comments:
12
Kudos:
35
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3
Hits:
147

Hennadäbberla.

Summary:

Hennadäbberla: schwäbisch für Kleine Schritte

Tür 17 im diesjährigen Tatort und Polizeiruf 110 Adventskalender.

Work Text:

Aus dem ersten gemeinsamen Feierabendbier in Sebastians neuer Wohnung hatte sich in den darauffolgenden Wochen so etwas wie eine Routine entwickelt. Meistens blieb es bei einem Bier, aber jetzt, da die Weihnachtszeit begonnen hatte und der Winter ernste Anstalten machte, sich sogar im Stuttgarter Kessel mit Nachtfrost und schneidendem Wind festzusetzen, immer häufiger einen Punsch oder Glühwein.

Genauso wie diese Routine zum Tagesausklang, hatte es sich etabliert, dass Thorsten an den meisten Abenden, einfach blieb und das Gästezimmer bezog, weil es wirklich umständlich war erst mit dem Taxi nach Hause zu fahren und am nächsten Morgen sein Auto wieder abzuholen. Also blieb Thorsten, genau wie seine Zahnbürste im Bad und ein Satz frischer Wäsche im Gästezimmer.

 

Genau so war auch dieser Abend bisher verlaufen. Thorsten war Sebastian zu seiner Wohnung hinterher gefahren, hatte vom Parkplatz aus Frau Klingele, die wie jedes Mal am Fenster hinter der Gardine saß und ihre Nachbarn genau im Blick hatte, gegrüßt und war Sebastian die Treppe zu seiner Wohnung nach oben gefolgt. Sie hatten gekocht und dann einen Glühwein aufgesetzt und Sebastian hatte die Keksdose auf den Tisch gestellt. Das Gespräch hatte sich schnell von Arbeitsthemen wegbewegt, Sebastian hatte einmal mehr über die neue Hausverwaltung lamentiert und Thorsten hatte ihm geduldig zugehört und irgendwann nur noch daran gedacht, wie wohl er sich hier bei und mit Sebastian zusammen fühlte. In den letzten Wochen hatte er immer mehr das Gefühl gewonnen, dass sie wieder besser zusammenarbeiteten und dass sich generell die Stimmung im Team zum Besseren verändert hatte.

Im Hintergrund rumpelte der Geschirrspüler mit der nahen Bahnstrecke um die Wette, unter dem Tisch hatten sie beide ihre Beine ausgestreckt und ihre Füße gegeneinander gelehnt, eine kleine, freundschaftliche Geste nur, aber eine die Thorsten nicht missen wollte. Sebastian saß ihm gegenüber, entspannt zurückgelehnt, die Arme locker vor der Brust gekreuzt, in einer Hand die schon leere Tasse und es machte nichts aus, dass ihr Gespräch gerade verebbte, weil Sebastian ihn anlächelte und Thorsten nur ein zustimmendes Brummen von sich gab, dass Sebastian ein belustigtes Schnauben entlockte, ehe sie wieder in zweistimmiges Schweigen verfielen.

Erst der Schlüssel, der sich kurz darauf im Türschloss drehte, ließ sie beide aufschrecken. Thorsten war schon halb auf den Füßen, als Sebastian ihn zurückhielt.

„Das ist nur Maja“, winkte Sebastian ab und stand seinerseits auf, um eine weitere Tasse aus dem Schrank zunehmen und auf den Tisch zu stellen. Vom Flur war jetzt deutlich das Rascheln einer Jacke und zwei, drei dumpfe Geräusche zu hören, so als hüpfe Maja auf einem Fuß, um sich ihrer Schuhe zu entledigen.

„Maja? Du hast gar nicht gesagt, dass sie da ist.“ Thorsten brauchte einen Moment, um seine Sprache wieder zu finden.

„Oh, hab‘ ich dir das nicht gesagt? Sie hat schon vorlesungsfrei und hat sich mit ein paar Freundinnen getroffen. Und Julia wohnt doch mittlerweile in Waiblingen, da ist die Anbindung abends eine Katastrophe,“ erklärte Sebastian und Thorsten musste ein wenig lächeln, denn wie so oft, wenn Sebastian Ortsnamen aussprach, kam sein Dialekt stärker zum Vorschein und Thorsten musste zugeben, dass ihm die schwäbische Mundart in den letzten Jahren doch ans Herz gewachsen war. Aber – kam ihm ein zweiter Gedanke – wenn Maja hier war, bedeutete das, dass sie im Gästezimmer schlief, das war ja auch der eigentliche Grund für Sebastian das Zimmer nicht als Homeoffice oder dergleichen zu verwenden und wo sollte er dann-?

Seine Gedanken wurden von Maja unterbrochen, die jetzt mit geröteten Wangen und einem letzten Hauch kalter Nachtluft die Küche betrat, ihren Vater umarmte und dann Thorsten die Hand schüttelte. Thorsten schenkte Maja auch eine Tasse Glühwein ein und lehnte sich dann wieder zurück, lauschte Vater und Tochter, wie sie sich über Majas Freundinnen unterhielten und Neuigkeiten austauschten. Thorsten freute sich wirklich für Sebastian, dass das Verhältnis zu seinen Kindern wieder so gut war, dass sie regelmäßig bei ihm übernachteten und ihn an ihrem Leben teilhaben ließen. Thorsten wusste, dass es auch ganz anders hätte laufen können und wie groß Sebastians Angst davor gewesen war.

Maja verabschiedete sich von ihnen, als sie ausgetrunken hatte mit einem Blick auf die Uhr ins Bett und auch Thorsten erinnerte sich schlagartig daran, dass er ja noch nach Hause musste, jetzt wo alle Betten im Hause Bootz belegt waren. Er zog sein Handy aus der Tasche des Jacketts und suchte nach der Nummer eines Taxiunternehmens.

„Äh, Thorsten? Was wird das? Wen rufst du jetzt noch an?“

„Ein Taxi?“, erwiderte Thorsten und hob die Augenbrauen.

„Und wofür? Du hast doch gesagt, dass du hier bleibst.“ Sebastian klang ganz entspannt, räumte weitere die leeren Tassen in die Spüle und wischte über die Tischpatte.

„Wie du vielleicht bemerkt hast, ist grade deine Tochter nach Hause gekommen und möchte sich wahrscheinlich nicht das Gästebett mit mir teilen und, so leid es mir tut, auf deinem Sofa schlafe ich sicher nicht.“

Sebastian bedachte ihn mit einem Blick, als sei er von allen guten Geistern verlassen.

„Du schläfst einfach bei mir im Bett?“ Sebastian ließ es klingen, als wäre es die absolut logische Schlussfolgerung, die nur Thorsten nicht verstünde. „Ist ja nur eine Nacht.“

Oh.

Als Thorsten nicht sofort antwortete, rieb sich Sebastian über das Gesicht und stöhnte genervt.

„Ja, okay. Ich hätte dir Bescheid geben sollen, dass Maja hier ist und dass du dann bei mir-“ Sebastian seufzte, ließ die Schultern hängen. „Komm, ich zahl dir wenigstens das Taxi. Sorry.“

Die Reaktion hatte er bei Sebastian wirklich nicht auslösen wollen. Ja, er hätte gerne Bescheid gewusst, aber dass Sebastian dachte, dass er auf welchen Gründen auch immer, nicht mit ihm ein Bett teilen würde - damit hatte er nicht gerechnet.

Langsam steckte Thorsten das Handy wieder weg, stand auf und legte Sebastian die Hände an die Oberarme.

„Basti, sieh mich an. Natürlich bleibe ich, wenn du das willst. Ich-“ Er musste sich einen Moment sammeln. „Ich hab‘ kein Problem damit. Außer du schnarchst.“

Das entlockte sogar Sebastian ein Lachen und er stieß mit der Hand gegen Thorstens Schulter. „Und du klaust mir hoffentlich nicht die Decke!“

 

Später, als sie in Sebastians Bett lagen und Thorsten es erstaunlich wenig seltsam fand, dass jemand neben ihm lag und dass dieser jemand ausgerechnet Sebastian war, und er schon fast weggedämmert war, drehte sich Sebastian zu ihm.

„Thorsten?“

Er erwiderte nur ein leises zustimmendes Geräusch. Es dauerte einen Moment, bis Sebastian weitersprach und Thorsten hörte nur seinen Atem, der ein bisschen flacher und angespannter ging, als eben noch.

„Kannst du-? Also, wäre es für dich okay, wenn du mich in den Arm nimmst?“ Sebastians Stimme war ganz leise und Thorsten war sich sicher, dass es Sebastian alle Überwindung gekostet hatte ihn das zu fragen. Wahrscheinlich hatte er über nichts anderes nachgedacht, seitdem sie nebeneinander lagen. „Ich mein, ist okay, wenn du nicht willst, aber ich“ Er unterbrach sich selbst, um tief durchzuatmen und die Decke neben ihm raschelte. „Ich hab‘ einfach seit der Trennung jede Nacht alleine verbracht, und.“

Ehe Sebastian weiter sprechen konnte, hob Thorsten seine Decke.

„Red‘ nicht. Komm her.“

Sebastian rutschte in seine Arme und sie brauchten einen Moment, um Arme und Beine und Decken richtig zu arrangieren, aber dann war es mit einem Mal wirklich gemütlich mit Sebastians warmen Körper vor sich. Und die kleine Stimme in Thorsten, die das tatsächlich noch ein bisschen absurd gefunden hatte, dass sie als ausgewachsene Männer nicht nur das Bett teilen, sondern auch miteinander kuschelten, verstummte, als sich Sebastian merklich entspannte und seinen Kopf tief in die Kissen grub.

Bald ging Sebastians Atem wieder ruhiger, steckte Thorsten an, auch wieder einzuschlafen. Mit einem Seufzen schob er sich noch ein bisschen näher an Sebastian, rieb mit seiner Nase über das weiche T-Shirt, genau zwischen seinen Schulterblättern und Sebastian bewegte sich auch ein bisschen, griff nach seiner Hand, die auf seiner Brust lag. Und die plötzliche Wärme kam nicht nur von ihren Fingern, die sich wie von selbst miteinander verschränkten, sondern direkt aus seinem Inneren.