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“Merlin… Fred! George!”, schrie Harry entsetzt und rannte zu den Chaoszwillingen hinüber. “Seid ihr verrückt? Nicht so nah an den See ran mit eurem Feuerwerk! Keiner von uns will in die Luft gesprengt werden, sollte der Riesenkracken auf die Idee kommen ein bisschen rum zu planschen und das Zeug nass zu spritzen.”
Natürlich schienen die beiden Rothaarigen nicht im Geringsten Beeindruckt von der Mahnung des Grünäugigen. Es hätte Harry aber auch gewundert, wenn sie tatsächlich auf ihn gehört hätten.
Seit er sich entschlossen hatte die Stelle des Verteidigungslehrers anzunehmen, waren die beiden Unruhestifter ohnehin etwas eingeschnappt. Ständig warfen sie ihm vor zu einem langweiligen Spießer zu mutieren.
“Jaja, Percy!”, rief ihm jetzt auch einer der beiden entgegen.
In der Dunkelheit auf dem Hogwartsgelände war es unmöglich mit Sicherheit zu sagen, welcher der beiden es gewesen war.
Dafür konnte er nur zu gut erkennen, dass sie aneinander gewandt die Augen über ihn verdrehten.
Harry seufzte und rieb sich die Nasenwurzel. “Jungs, bitte. Ich hab euch lieb, aber ich hänge an meinem Leben. Wenn das schief geht, wird Minerva mich nicht einfach feuern, sondern in die Kammer des Schreckens zu den Überresten des Basilisken stecken, wo ich dann mit ihm verrotten darf. Schiebt den Kram einfach fünf Meter weiter nach links und gut ist!”
“Na gut, aber nur, weil du es bist!”, gestanden sie ihm schließlich ein. “Aber dafür musst du demnächst mal wieder einen mit uns drauf machen. Dein nächstes freies Wochenende gehört uns!”
“Von mir aus.”, grummelte der Grünäugige etwas missmutig. Darauf hatte er ja mal so gar keine Lust! Immer wenn er mit den Zwillingen durch die Bars zog, blamierte er sich danach bis auf die Knochen, und meist war es auch noch Severus, der ihn entdeckte.
Ihm schoss immer noch die Schamesröte ins Gesicht, wenn er daran dachte, dass Snape ihn zuletzt bewusstlos im Jungenklo gefunden hatte, wo er scheinbar mitten im Händewaschen eingeschlafen war. Tatsächlich hätte er es besser gefunden, wenn er sich selbst im Waschbecken ertränkt hätte, als dieses kalte, verurteilende Starren des Tränkemeisters für die gesamte nächste Woche ertragen zu müssen.
Das war besonders unangenehm, wenn man endlich eine Freundschaft mit dem Mann aufgebaut hatte. Severus ließ einen wirklich spüren, wenn er einen für idiotisch hielt!
Wenn er nicht so grauenhaft in Zaubertränken wäre, hätte er sich schon lange ein Ausnüchterungselixier zusammengemischt, nur um sich nicht wieder als der letzte Schwachkopf enttarnen zu lassen.
Andererseits wusste der Tränkemeister vermutlich am allerbesten, mit was er es bei Harry zu tun hatte. Und wenigstens waren alle seine Körperteile schon wieder verstaut gewesen, so dass es nicht noch peinlicher für ihn geworden war.
Kopfschüttelnd sah er auf die Uhr. Es war jetzt kurz vor 23 Uhr.
Sie hatten noch etwas mehr als eine Stunde Zeit, um die letzten Vorbereitungen zu erledigen, aber um die meisten Dinge kümmerten sich ohnehin die Hauselfen. Harry hätte wirklich nicht gewusst, was er ohne die kleinen Lebensretter tun sollte!
Minerva war dieses Jahr auf die Idee gekommen im Schloss ein großes Fest zu veranstalten. Alle Kinder, die über die Ferien hier blieben, aus welchen Gründen auch immer, durften Freunde oder Familie hier her einladen, um mit ihnen Weihnachten und Neu Jahr zu feiern.
Es musste wohl nicht extra erwähnt werden, dass die Angestellten selbst seitdem nicht eine ruhige Minute gehabt hatten, oder?
Das Schloss war voller, als während des normalen Unterrichtbetriebs. Unter den aktuellen Bewohnern auch die komplette Weasley-Familie, die es sich nicht hatte nehmen lassen Harry zu besuchen, nachdem dieser verkündet hatte, er könnte sich nicht frei nehmen, um zu ihnen zu kommen.
Die Anzahl an Menschen sorgte aber auch für eine große Menge an Unfallpotential. Erst gestern hatte Peeves mehrere Flaschen Olivenöl aus der Küche gestohlen (die Schulleiterin rätselte immer noch, wie der Poltergeist durch die Bann-Flüche gekommen war) und hatte die ganze Eingangshalle damit eingeschmiert.
Im Laufe des Tages hatte wohl jeder einmal auf der Nase gelegen, weil er einfach weggerutscht war. Dumm, dass das Zeug sich gegenüber Zaubern als so resistent herausstellte. Woran das wohl lag?
Jedenfalls waren bestimmt fünfundzwanzig richtig fiese Splitter-Knochenbrüche bei diesem Desaster entstanden, weshalb nicht nur Poppy genervt, sondern auch Severus als amtierender Tränkemeister auf 180 war, da er die ganze Nacht hatte Heiltränke brauen müssen.
Meine Güte, als er dem Mann heute Morgen über den Weg gelaufen war, schien dieser kurz davor sich mit Hagrid zu prügeln, weil der Halbriese ihm nicht schnell genug aus dem Weg gegangen war.
Als Harry ihn beunruhigt zur Seite zog und sanft auf ihn einredete, war der Langhaarige für einen Moment tatsächlich eingeschlafen. Sein Kopf war einfach auf Harrys Schulter gefallen, während sein ganzer Körper gegen Harrys Brust sackte. Mit rasendem Herzen hatte der Grünäugige dagestanden, Severus in seinen Armen gehalten und über dessen Kopf hinweg einen verwunderten Blick mit Hagrid gewechselt.
Bis Snape, genauso plötzlich, wieder wach wurde, sich aufrichtete und davon stolzierte.
Wenn Harry ehrlich war, hatte er den Langhaarigen schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Vielleicht war schon wieder etwas passiert?
Suchend ging er zurück in die große Halle, wo eigentlich fast alle beieinander saßen, schnatterten und aßen, was das Zeug hielt, bis es endlich Zeit für das Feuerwerk wurde.
Snape war jedoch nicht unter ihnen, wie der Grünäugige mit einem enttäuschten Gefühl in der Brust feststellte. Innerlich schimpfte er sich jedoch einen Idioten.
Er konnte nicht sagen, woran es dieses Mal lag. Er verdächtige den Slytherin keiner bösartigen Machenschaften und misstraute ihm auch nicht mehr. Doch seine Gedanken und auch sein Blick klebten nur zu oft an dem älteren Mann, völlig ohne Sinn und Verstand!
Hin und wieder hatte er sich schon dabei ertappt den Langhaarigen traumverloren anzuglotzen. Wie erklärte man jemanden, warum man gerade geschlagene fünf Minuten auf dessen Schritt gestarrt hatte?
Nur gut, dass Severus nicht wissen konnte, dass es ihm außerdem in den Fingern juckte, die sichtbaren Konturen von dessen Gemächt nachzuziehen!
Außerdem sollte er wohl Ron besser nicht mitbekommen lassen, dass er den Slytherin inzwischen höchst Amüsant fand! Viele von dessen schnippischen Kommentaren, die einem als Schüler so unter die Haut gefahren waren, waren aus der Sicht eines Lehrers einfach purer Galgenhumor.
Minerva freute sich darüber, dass er sich scheinbar so über die Spitzen seines Kollegen beömmeln konnte. Ron würde ihn hingegen gleich mit ins St. Mungo nehmen und dort gründlich untersuchen lassen.
Wer hätte auch je gedacht, dass ausgerechnet Ron zu einem Geistesheiler werden würde? Hermine vermutlich, die war wohl die stolzeste Ehefrau aller Zeiten. Obwohl sie selbst als neue Leiterin der Straftverfolungsabteilung selbst ziemlich erfolgreich war.
Bevor er jedoch weiter über sein Leben sinnieren konnte, fiel sein Blick auf zwei Fünftklässler, die sich gerade an der Bowle zu schaffen machen wollten. Die Schulleiterin war jedoch schneller da als er. Noch immer die rabiate Frau, wie zu seiner eigenen Schulzeit (und genau so flink), verpasste die Hexe ihren Schülern Nachsitzen, während Harry den Feuerwiskey an sich nahm.
Als die beiden Ravenclaws mit eingezogenen Köpfen wieder abgezogen waren, legte Harry der Frau beruhigend eine Hand auf den Arm. “Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Unsinn im Kopf gehabt zu haben!”, meinte er etwas wehmütig.
Die Frau lachte. “Nein, Unsinn vielleicht keinen, aber Abendteuer! Ständig hast du dich in Schwierigkeiten gebracht!”
“Hab ich nicht! Die Schwierigkeiten haben meistens mich gefunden! Und wo wir schon dabei sind, wo ist eigentlich Severus hin verschwunden? Habe ihn schon länger nicht gesehen. Ich habe die Befürchtung, er könnte vor Müdigkeit eine Treppe runter gestürzt sein.”
Die Schulleiterin lächelte auf eine seltsame Weise, welche Harry intuitiv an Albus Dumbledore erinnerte und in ihm das Bedürfnis weckte sich unter dem nächsten Stein zu verstecken.
“Ich kann mir vorstellen, dass der alte Grieselbär sich mal wieder in seinen geliebten Kerkern zu verstecken versucht.”, meinte sie freimütig und überblickte zufrieden ihr Reich. “Aber vielleicht solltest du mal nach ihm sehen und ihn wieder herauf scheuchen. Er sollte bei uns sein, wenn wir das neue Jahr beginnen. Und Harry, lass dich bloß nicht von ihm einschüchtern! Er wird dich vermutlich nicht gerade mit offenen Armen empfangen! Er hat oft genug versucht mich zu verfluchen, wenn ich ihn gestört habe.”
Der Grünäugige fühlte sich etwas vor dem Kopf gestoßen, plötzlich so umher gescheucht zu werden, vor allem wenn Severus offensichtlich keine Lust auf Gesellschaft hatte. Er fügte sich aber dennoch in sein Schicksal.
Wenigstens befand sich Snapes Wohnung nicht mehr ganz so unendlich tief in den verschlungenen Kerkern, wie früher.
Der Langhaarige hatte darauf bestanden eine hellere Wohnung zu bekommen, wie Minerva ihm auf Nachfrage hin erklärt hatte, weil ihm in seinem kleinen Kabuff die Erinnerungen zu negativ gewesen waren.
Das war etwas, was Harry ebenfalls eigenartig sympathisch fand.
Etwas nervös (was wiederum keinen Sinn für ihn und sein verrücktes Empfindungsvermögen ergab) stand er schließlich vor der Tür seines Kollegen und klopfte. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis diese aufgesperrt wurde. So lange sogar, dass Harry sich schon halb weggedreht hatte, um im Büro des Mannes nach ihm zu suchen.
Als ihm dann aber doch geöffnet wurde, fühlte er pure Überraschung in sich aufkeimen.
Vor ihm stand Severus Snape, aber er trug nichts weiter als eine lockere Schlafanzugshose und einen extrem verschlafenen Gesichtsausdruck. Merlin, auf der Haut des Tränkemeisters hatten sich sogar die Falten seiner Bettwäsche eingedrückt, weshalb er niedlicher Weise total zerknautscht wirkte.
“Oh!”, entfuhr es ihm verdattert. “Du hast geschlafen. Tut mir leid, Severus. Minerva hat mich geschickt, um dich nach oben zu schleifen.”
Mehrere Sekunden lang war an der Mimik des Lehrers nicht zu erkennen, ob er ihn überhaupt gehört hatte, dann grunzte er einmal kurz und drehte sich einfach wieder herum. Die Tür ließ er weit offen stehen, weshalb Harry vorsichtig hinter ihm eintrat und folgte.
Er hatte Severus Wohnung schon ein paar Mal gesehen, doch bisher war sie niemals so abgedunkelt oder durcheinander gewesen. Snape selbst war auf dem Sofa wieder zusammengesunken und hatte sich auf dem Bauch zu einer liegenden Position ausgestreckte. Seine Augen waren geschlossen und es sah aus, als wäre er bereits wieder eingeschlafen.
Grinsend ging Harry neben ihm in die Hocke. “Severus. Aufwachen! Minerva wird sonst ganz doll böse auf uns beide!”
Er wusste nicht, warum er mit einem Mal in diese verniedlichende Singsang-Stimme verfallen war oder etwas Ähnliches wie Kindersprache benutzte, aber es musste daran liegen, dass der Langhaarige einfach so verdammt putzig aussah.
Ganz sicher, das war Snapes eigene Schuld!
Severus öffnete nicht einmal die Augen, sondern schnaufte nur genervt. Eine tiefe Falte bildete sich auf seiner Stirn.
“Wie spät?”, fragte er, seine Stimme klang dumpf durch die Sofakissen.
“Zwanzig vor Zwölf. Gerade genug Zeit, um sich anzuziehen und mitzukommen.”
“Zu müde!”, grummelte der Langhaarige und rollte sich langsam auf die Seite, so dass er Harry besser ansehen konnte. Träge blinzelten die schwarzen Augen ihn an und Harry musste das überwältigende Bedürfnis unterdrücken die verzottelten Haarsträhnen hinter das Ohr des Mannes zu streichen. Ernsthaft, was war nur los mit ihm?
“Kann ich verstehen, aber komm doch trotzdem mit. Es wäre schade, wenn wir dich nicht dabei hätten. Du musst dir nur kurz was über werfen und in einer halben Stunde bringe ich dich persönlich zurück in dein Bett, versprochen! Klingt das annehmbar?”
Das Gesicht des Tränkemeisters verzog sich widerwillig. “Ich denke nicht. Aber ich habe eine bedeuten bessere Idee!”
In der nächsten Sekunde hatte der Slytherin seine Arme um Harrys Mitte geschlungen und ihn zu sich auf das Sofa gezogen. Ihre Gliedmaßen wollten in diesem ungewohnten Winkel nicht wirklich zueinander passen und Harry hatte das Gefühl gleich mit dem Arsch voraus wieder von dem Möbelstück zu rutschen, weshalb er sich verbissen an seinem Kollegen festhielt. Als er zu den dunkeln Augen aufsah, bemerkte er erst wie schnell sein Herz raste und wie warm sich seine Wangen anfühlten.
Snape grinste, als hätte er etwas verstanden, was Harry nicht sehen konnte. “Wie wäre es damit. Wir bleiben einfach zusammen hier und kuscheln. Ich brauche kein Feuerwerk, nur den Neu-Jahrs-Kuss von dir, auf den ich schon eine Weile warte.”
“Ich… Du.. WAS!?!”, stotterte der Grünäugige, wurde aber von einem dunkeln Gelächter unterbrochen.
“Ach, Harry. Jeder kann sehen, wie wir zwei umeinander schleichen. Nur du scheinst blind zu sein, selbst für deine eigenen Gefühle!”, schmunzelte der Slytherin und ließ seine Hände dabei vorsichtig über Harrys Körper streicheln.
Er schien abzuwarten.
Harry konnte nicht leugnen, dass er sich gerade außergewöhnlich gut fühlte. Nach einer Weile, in welcher der Gryffindor nicht die leisesten Anstalten gemachte hatte sich loszureißen, beugte der Langhaarige sich schließlich vor und drückte einen federleichten Kuss auf Harrys Lippen.
Harry keuchte überrascht auf, obwohl er es eigentlich hätte kommen sehen müssen. Seine Überraschung hatte allerdings nichts damit zu tun, dass Snape tatsächlich mutig genug gewesen war, um diesen Schritt zu gehen, sondern mehr damit, wie gut sich der Kuss anfühlte.
Der Kuss vertiefte sich schnell, während Severus wohl seine Müdigkeit vergessen zu haben schien. Aus Sekunden wurden Minuten und schon bald war es Zeit für das neue Jahr.
Von dem Feuerwerk, weit über ihren Köpfen, bekamen die Zwei jedoch nichts mehr mit, zu sehr waren sie mit den Feuerwerken beschäftigt, die sie in dem jeweils anderen auslösen konnten.
