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Wenn es draußen dunkel wird

Summary:

Leo ist ihr Chef. Was er will, fühlt sich verboten an.

Notes:

they are my current favorite secret third thing <3

Work Text:

„Leo?“, fragt Pia, sieht ihn von der Seite an. Sie steckt schon längst in Jogginghose und Schlafshirt. Er hat gerade mal seine Schuhe ausgezogen. Er ist den ganzen Abend schon so angespannt, so schweigsam.

Nicht, dass sie sonst besonders viel reden würden, aber heute verstummt sein Lachen schneller, sind seine Sätze kürzer, die Stimme leiser, so als wolle er nicht auffallen in ihrer Wohnung, keinen Raum einnehmen.

Im Bad war er auch noch nicht, da liegt seine Jogginghose in dem Regal über Pias Waschmaschine, die er sonst anzieht, wenn sie sich auf ihre Couch verkrümeln.

Pia rutscht näher an ihn heran.

„Hm?“, macht er, etwas verspätet. Seine Augen fixieren den Fernseher, als wäre die Werbung unfassbar spannend.

„Ist irgendwas?“

Leo presst seine Lippen aufeinander. Sie dachte, er würde mittlerweile mit ihr reden.

Eigentlich haben sie das ganz gut geschafft in den letzten Wochen. Zu sagen, was sie beide wollen, was nicht. Die zweite Liste deutlich länger als die erste. In erster Linie wollen sie beide Gesellschaft, jemanden, der da ist, wenn es draußen dunkel wird.

Manchmal lehnt sie an ihm, manchmal er an ihr, manchmal kann man das gar nicht so genau sagen. Sie küssen sich nicht, sie sind auch kein Paar, wollen keins sein, und wenn Leo über Nacht bleibt, dann immer auf dem Sofa im Wohnzimmer. Freunde, sozusagen, und doch ein bisschen anders.

Pia streckt die Hand nach ihm aus, legt sie auf seine. Sie spürt seinen Impuls, ein kurzes Zucken, aber dann lässt er sie doch liegen, sieht sie an.

„Pia“, sagt er, und dann leiser etwas, das klingt wie „Das geht nicht.“

Ihr Daumen streicht über seinen Handrücken.

„Möchtest du nach Hause fahren?“, fragt sie und Leo schüttelt sofort den Kopf. Pia atmet erleichtert auf, hofft, dass er es ihr nicht anmerkt. Er lächelt. Hat also nicht geklappt.

„Dann bleib“, sagt sie, aber es klingt mehr wie eine Frage. Leo nickt, aber da klebt ein Restzweifel in seinen Augen.

„Ich kann deine Gedanken nicht lesen“, sagt Pia, wandert seinen Arm hoch, fährt mit den Fingerspitzen unter die Ärmel seines T-Shirts. Sie malt unsichtbare Linien in die warme Haut, während Leo immer wieder ansetzt, etwas zu sagen, und dann doch nur ausatmet.

Das heißt meistens, dass er irgendwas möchte, hat Pia mittlerweile verstanden. Dass sie die Lichterkette auf der Fensterbank nachts anlässt oder dass sie ihm weiter durch die Haare krault, während er vor dem Fernseher eindöst. Er braucht manchmal ein wenig Zeit.

„Ich glaub, das ist keine gute Idee“, murmelt er und Pia zieht ihre Hand weg.

„Was denn?“, fragt sie, bemüht um eine gefasste Stimme. Ihr Herz flattert nervöser in ihrer Brust, als ihr das lieb ist.

Leo schluckt.

„Ich hab nur gedacht… ich könnte hier schlafen?“, sagt er. Pia sieht ihn fragend an. Das kann nicht alles sein, er hat schließlich schon ein paar Mal hier geschlafen.

„Bei dir“, fügt er hinzu, sieht sie mit durchdringendem Blick an.

„Bei mir?“, fragt sie und Leo nickt. Rote Flecken flammen über seinen Hals. Das passiert manchmal, wenn er nervös ist.

„Okay“, sagt Pia, lächelt.

Sie hat sich schon lange nicht mehr das Bett mit jemandem geteilt, von dem einen Abend im Gasthof mit Adam mal abgesehen, bei dem es kein anderes Zimmer mehr gab. Und wirklich geschlafen haben sie in dieser Nacht beide nicht, Adam war zu unruhig, sie zu sehr mit ihrem Fall beschäftigt, um in den Schlaf zu finden. Aber sie mag das eigentlich, so grundsätzlich, nachts nicht alleine zu sein.

„Okay?“, hakt Leo nach. „Hast du verstanden, was ich... meine?“ In ihrer Wohnung hat sie ihn selten so unsicher gesehen, vielleicht noch nie.

„Du willst in meinem Bett schlafen“, stellt sie fest. Er schaut sie nicht an, atmet laut aus, sagt aber nichts, schüttelt nur leicht den Kopf, mehr zu sich selbst, als zu ihr. Sie hat eine Vermutung, was er als nächstes sagen wird.

„Für mich ist das okay, Leo“, sagt sie also. Sie haben ja darüber gesprochen, was sie nicht wollen. Von gemeinsam in einem Bett schlafen, nur schlafen, war da nie die Rede.

Leo sagt eine Weile lang nichts, dann, leise: „Ich bin dein Chef. Ich darf- ich will keine Grenze überschreiten.“

Pia nickt.

„Aber wir wollen doch beide nichts anderes. Oder?“, fragt sie, nur um nochmal sicher zu gehen.

„Nee“, sagt Leo so prompt, dass sie fast ein bisschen beleidigt ist.

„Na dann.“ Sie lächelt. Leo lächelt matt zurück.

„Ich hab Angst, dass die Leute reden. Die Kollegen.“ Er spricht es so plötzlich und deutlich aus, dass Pia ein paar Sekunden braucht, um die Worte zu verarbeiten. Sie hat ihn noch nie „Ich habe Angst“, sagen hören. Nur angesehen hat sie es ihm oft.

„Die sind ja nicht hier“, entgegnet sie ruhig, auch wenn sie sich selbst schon genug Gedanken darüber gemacht hat. Sie würde ihn am liebsten in den Arm nehmen. „Und wir sind beide erwachsen, wir tun nichts verbotenes.“ Es fühlt sich trotzdem manchmal so an.

Leo nickt. „Ja“, sagt er leise, zögerlich. Sie sehen sich einen Moment lang schweigend an.

„Ich hoffe nur, du schnarchst nicht“, grinst Pia dann, piekst ihn sanft in die Seite. Leo schnaubt, hebt die Arme vor die Brust, und Pia weiß, dass er sich entschieden hat.

*

Seine Decke raschelt neben ihr, als er sich erneut umdreht, scheinbar noch unentschlossen, in welche Richtung er gucken will.

Pia liegt ihm zugewandt, wartet geduldig. Leos Haare sind bereits etwas zerzaust. Er sieht gemütlich aus, süß irgendwie, zwischen den blassgrünen Laken, blinzelt sie an.

„Kann ich ausmachen?“, fragt sie und deutet zu ihrer Nachttischlampe. Leo nickt, schiebt eine Hand unter sein Kissen. Die Vorhänge hat sie offen gelassen, das schummrige Licht der Straßenlaterne fällt in ihr Schlafzimmer. „Ist gut so“, hat er gesagt, ohne sie dabei anzusehen, hat die Bettdecke glattgestrichen.

„Gute Nacht, Leo“, flüstert Pia, als der Schalter klickt. Sie hört ihn lächeln und wie er noch ein wenig näherrutscht.

„Nacht, Pia.“