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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-08-26
Words:
609
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
4
Hits:
31

Kindheitsträume

Summary:

Sebastian hat einen Kindheitstraum – Polarlichter sehen. Wird dieser Traum in Erfüllung gehen?

Notes:

Geschrieben für den Prompt „Aurora borealis“ der 120 Minuten Sommerchallenge 2025.

Vielen Dank an aesculap, dass ich ein Prequel zu Wunderschöne Anblicke schreiben durfte!

Work Text:

„Thorsten – heute Nacht! Denk dran!“ Sebastian hibbelte aufgeregt auf der Stelle.

Er erinnerte Thorsten an einen kleinen Jungen, der es kaum noch abwarten konnte, seine Geschenke zu öffnen. Dabei hatte er erst nächstes Jahr wieder Geburtstag und bis Weihnachten dauerte es auch noch etwas. Glücklicherweise, denn Thorsten hatte – mal wieder – keine Idee für ein Geschenk. Aber er wusste, worauf sich Sebastian gerade so freute.

Polarlichter.

Normalerweise traten sie ja nur im hohen Norden auf, aber dank einer besonders aktiven Sonne bestanden laut den Meteorologen Chancen, sie heute auch in Stuttgart zu entdecken.

Sebastian hatte ihm verraten, dass es ein alter Kindheitstraum von ihm war, dieses Wetterphänomen einmal mit eigenen Augen zu sehen. Thorsten war auch schon gespannt darauf. Aber noch mehr freute er sich darüber, dass Sebastian endlich wieder guter Dinge war. Die Trennung von Julia hatte ihm doch sehr zugesetzt.

„Treffen wir uns bei dir oder bei mir?“, fragte Sebastian.

Stimmt, das hatten sie noch gar nicht geklärt.

„Bei dir?“, schlug Thorsten vor. „Dann können wir auf die Karlshöhe gehen.“

„Gute Idee“, sagte Sebastian.

Kurz vor Mitternacht machten sie sich gemeinsam auf den Weg dorthin. Sie waren offenbar nicht die Einzigen, die auf diese Idee gekommen waren, denn mehrere andere Leute standen bereits in kleinen Gruppen im Park und schauten in den Nachthimmel.

Sebastian legte ebenfalls den Kopf in den Nacken. „Es ist nichts zu sehen“, sagte er enttäuscht. „Und es ist total bewölkt.“

Thorsten warf einen schnellen Blick nach oben. Sebastian hatte recht. Eine dichte Wolkendecke zog sich über den gesamten Himmel. Nicht einmal der Mond war zu sichtbar. Das war kein gutes Zeichen … Würde es überhaupt noch aufklaren?

Thorsten zog sein Handy aus der Manteltasche, öffnete die Wetter-App und rief die Vorhersage für Stuttgart auf. Es reihte sich Wolkensymbol an Wolkensymbol – für diese Nacht und auch die nächsten Tage. Das hieß wohl, dass sie hier doch keine Nordlichter zu sehen bekamen. Thorstens Stimmung sank. Wie ärgerlich, dass es ausgerechnet bei einer so einzigartigen Gelegenheit bedeckt sein musste. Und wenn er selbst schon derart enttäuscht war – wie würde es erst Sebastian gehen, wenn er ihm die Wettervorhersage zeigte und dadurch den Kindheitstraum platzen ließ?

Seine Miene verdüsterte sich wie erwartet sofort, als Thorsten ihm das Handy gab. Thorsten legte eine tröstende Hand auf seine Schulter, aber es half nichts.

Sebastian schaute ihn nur kurz an und schüttelte den Kopf. „Lass uns gehen. Ohne Polarlichter brauchen wir auch nicht länger hier in der Kälte herumzustehen.“

Schweigend stapften sie zurück zu Sebastians Wohnung.

Thorsten überlegte, wie er Sebastian wieder aufmuntern konnte. Es musste doch irgendeine Möglichkeit geben, die Polarlichter trotzdem zu sehen. Kurz bevor sie Sebastians Wohnung erreichten, hatte er eine zündende Idee.

Er blieb stehen. „Weißt du – wenn die Polarlichter nicht zu uns kommen, dann kommen wir eben zu ihnen.“

Sebastian war noch ein, zwei Schritte weitergelaufen und drehte sich jetzt zu ihm um. „Wie meinst du das?“, fragte er verwirrt.

„Wir machen einfach dort Urlaub, wo sie zuverlässig zu sehen sind. In Skandinavien, Island, Alaska oder sonst wo.“

„Thorsten, das ist viel zu teuer und –“

„Ich schenke dir das zu Weihnachten“, schnitt Thorsten Sebastian das Wort ab. Er hatte genug Geld dafür und so würde sich auch sein Geschenkproblem lösen. Die Sache war eine Win-win-Situation in seinen Augen. „Sag einfach ja und ich kümmere mich um den Rest.“

Sebastian zögerte noch einen Moment. Dann schlich sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht. Er nickte.

Thorsten erwiderte das Lächeln zufrieden.

Und als er zurück in seiner eigenen Wohnung war, machte er sich gleich daran, das Internet nach Angeboten für eine Polarlichtreise zu durchforsten. Da – diese kleinen Häuschen in Island mit den Glasdächern. Die hörten sich doch interessant an …