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Sakumos letter to Fugaku

Summary:

It's just a letter. A letter to the man who was like a little brother to him. This is an apology letter to Fugaku. Sakumo would have liked to write more.

And a happy birthday to Sakumo!

Work Text:

Der Morgen war kühl für den ersten September. Ein sanfter Wind trug den Geruch feuchter Erde durchs geöffnete Fenster, während das Zirpen der Zikaden langsam verstummte. Sakumo saß allein am niedrigen Tisch, das Papier vor sich glattgestrichen, der Pinsel in seiner Hand schwerer, als er es je zuvor empfunden hatte.

 

Er starrte lange auf die leere Seite. Wie oft hatte er in den letzten Tagen Worte im Kopf geformt, nur um sie im nächsten Augenblick wieder zu verwerfen? Was sollte er überhaupt schreiben? Was konnte er hinterlassen, das nicht nur aus Entschuldigung und Schweigen bestand?

 

Ein Zittern ging durch seine Finger, als er den Pinsel endlich eintauchte. Tropfen von schwarzer Tinte fielen auf das Holz des Tisches. Sakumo zog leise den Atem ein und setzte die ersten Zeichen.

 

 

 

Fugaku,

 

ich weiß nicht, ob ich diesen Brief je abschicken werde. Vielleicht bleibt er einfach hier, zwischen den Seiten meines Tagebuchs, wie so vieles, das ich nie laut gesagt habe. Aber ich schreibe ihn trotzdem – weil du ihn vielleicht eines Tages brauchst.

 

Du bist jetzt 24. Manchmal sehe ich dich auf dem Trainingsplatz, ernst wie immer, mit diesem Blick, der durch die Welt hindurchzusehen scheint. Und doch – seit Mikoto an deiner Seite ist, hat sich etwas in dir verändert. Du lächelst. Nicht oft, nicht für jeden, aber ich habe es gesehen. Und ich weiß, was es bedeutet.

 

Sie ist jung, ja. Aber sie bringt Licht in deine Schatten. Ich erkenne das. Ich erinnere mich, wie es war, als Sayuri und ich noch jung waren – wie ein einziger Blick den ganzen Tag verändern konnte. Wie man plötzlich an Zukunft dachte, obwohl man sonst nur an Missionen dachte. Ich träume manchmal davon, wie du eines Tages mit ihr durch die Straßen gehst, vielleicht mit einem Kind auf dem Arm, vielleicht mit grauem Haar und einem müden, aber zufriedenen Lächeln. Ich werde nicht da sein, das weiß ich. Aber der Gedanke daran wärmt mich mehr als jeder Tee an diesem kühlen Morgen.

 

Wenn ich an dich denke, Fugaku, dann denke ich an die vielen Stunden, die wir geteilt haben. Training, Gespräche im Schatten der Bäume, Schweigen nach langen Missionen. An das erste Mal, als du mich zum Sparring herausfordertest, trotzig wie ein Junge, der die Welt besiegen wollte. An die Abende, an denen du mir still gefolgt bist, ohne ein Wort, und doch so viel verstanden hast. All das war mir wertvoller, als ich dir je gesagt habe. Du warst mir wie ein kleiner Bruder, und ich habe dich genauso bewundert wie ich stolz auf dich war – nicht nur wegen deiner Stärke oder deiner Technik im Kampf, sondern weil du nie aufgehört hast, treu zu sein. Deiner Familie, deinem Clan, dir selbst. Dein Herz hat nie vergessen, wo es hingehört.

 

Es zerreißt mich jedoch, dir zu gestehen: ich hätte gern gesehen wie Kakashi erwachsen wird. Ich hätte dich weiter begleitet, hätte gesehen, wie du wächst, wie du lachst, wie du ein Vater wirst. Und doch sehe ich keinen Weg mehr aus diesem Sturm, der mich verschlingt. Ich weiß, dass jedes Leben Wolken kennt, dass kein Himmel ewig klar ist – aber ich kann nicht mehr glauben, dass das Gewitter über mir jemals enden wird. Alles ist schwarz und um so mehr ich kämpfe um so weiter werde ich in die Dunkelheit gezogen. Vergib mir, dass ich so früh gehe, dass ich dich und Kakashi zurücklasse, noch bevor wir dreißig geworden sind.

 

Und doch, Fugaku, bitte ich dich: sei der Vater, der ich nicht sein konnte. Ich weiß, du wirst es besser machen. Ich hoffe, dass dein Herz immer voller Liebe und Loyalität bleibt – dieser Treue, die ich immer in dir gesehen habe und die dich so stark macht. Bewahre sie, auch wenn die Welt dir manchmal das Gegenteil abverlangt.

 

Wenn du eines Tages zweifelst – an dir, an ihr, an dem Weg, den ihr gemeinsam geht – dann erinnere dich an diesen Zeilen. Du verdienst Glück. Du verdienst Liebe. Du verdienst ein langes und unbeschwertes Leben. Und du musst nicht alles allein tragen, du darfst dich auch auf andere Leute verlassen und Hilfe von ihnen annehmen.

 

Zum Schluss habe ich noch eine egoistische Bitte: Bitte, wenn es dir möglich ist, wirf auch einen Blick auf Kakashi. Er wird die Welt mit verschlossenen Augen ansehen, stark wirken wollen und schweigen, wenn er eigentlich schreien müsste. Sei einfach da, auch wenn er es nicht zeigt, er wird es brauchen. Das ist alles, was ich mir noch erhoffen kann.

 

Ich hoffe, du findest Frieden in Dingen, die ich nie zu halten wusste.

 

Dein Bruder im Geiste,

Sakumo

 

 

 

Sakumo legte den Pinsel beiseite. Seine Augen verweilten auf den dunklen Strichen, die wie stille Narben auf dem weißen Papier lagen. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf seine Lippen – bitter und doch voller Zuneigung.

 

Er ließ den Blick hinausgleiten, wo der Nebel sich langsam hob und das Licht den Garten berührte. Für einen Moment stellte er sich vor, wie Fugaku mit Mikoto Hand in Hand durch genau dieses Licht ging, wie Kakashi hinterherlief, lachend, frei von der Schwere, die Sakumo selbst erdrückte.

 

Dann legte er den Brief zur Seite. Ungeschickt, geschlossen aber auf eine Art unvollendet – wie das Leben, das er zurückließ.

 

 

 

 

 

 

Zwei Tage später. Am 03. September, beendete Sakumo Hatake sein Leben. Und Fugaku hat diesen Brief erst Jahre später lesen können als alles schon zu spät für Veränderung war.