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Language:
Deutsch
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Published:
2025-10-19
Words:
992
Chapters:
1/1
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2
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3
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32

„Gibs auf!“ Interpretation

Summary:

Interpretation zu Franz Kafkas "Gibs auf!" für meinen Deutschkurs.

Jegliche Schreibfehler tun mir Leid, es ist halb elf nachts.

Work Text:

"Gibs auf!" ist eine von Franz Kafka 1922 geschriebene Parabel. Sie handelt von einem Ich-Erzähler, der morgens den Bahnhof erreichen will, sich aber im Weg unsicher wird und keine Hilfe von einem anwesenden Schutzmann kriegt, als er diesen darum bittet. Eine mögliche Deutung des Textes könnte sein, dass man sich nicht immer auf staatliche Institutionen verlassen kann, einem den Weg im Leben zu weisen.

 

Der Text beginnt damit, eine Zeit für das Geschehen festzulegen; früh morgens, auf menschenverlassenen Straßen, macht sich der Erzähler auf dem Weg zum Bahnhof. Da er noch nicht lange in jenem Ort lebt, wird er unsicher und verläuft sich, als er sieht, dass er sich scheinbar verspätet. Ihm kommt letztlich ein Schutzmann über den Weg, doch als er diesen nach dem Weg fragt, wiederholt dieser immer wieder, dass der Erzähler aufgeben solle und wendet sich lachend ab.

Trotz der Kürze des Textes und Einfachheit der Handlung ist jeder Bestandteil für die Deutung einer Parabel wie dieser relevant. Dass es "früh am Morgen" (Z. 1) ist und die Straßen "rein und leer" (Z. 1) sind, erschafft erstmal eine ruhige Atmosphäre: der Erzähler ist auf seinem Weg zum Bahnhof (vgl. Z. 1), niemand steht in seinem Weg, die Welt ist unbeschmutzt und die Sonne geht womöglich erst auf, der Start eines Neubeginns für den Erzähler. Die Situation scheint idyllisch, allerdings wird dieses Umfeld im Laufe des Textes rekontextualisiert.
Der Erzähler ist ganz gelassen, bis er "eine Turmuhr mit [s]einer Uhr [vergleicht]" (Z. 2) und ihm auffällt, dass er spät dran ist, was dazu führt, dass er sich "im Weg unsicher [wird]" (Z. 2f.). Auch, dass er scheinbar erst in diesen Ort gezogen ist, trägt dazu bei (vgl. Z. 4). Als er dann schließlich einen Schutzmann erspäht, hält er sich für gerettet (vgl. Z. 4-7). "Gibs auf, gibs auf" (Z. 7) ist die Antwort, die der Erzähler vom Schutzmann schließlich erhält, als er um seine Hilfe bittet und die Parabel endet damit, dass sich dieser lachend, "mit einem großen Schwung" (Z. 7) vom Erzähler abwendet, wie jemand, "[der] mit [seinem] Lachen allein sein [will]" (Z. 8). Ob der Erzähler je seinen Weg zum Bahnhof findet ist unklar.

Die Probleme fingen damit an, dass der Erzähler auf der Bildebene auf seinem Weg zum Bahnhof seine eigene Uhr mit der Turmuhr verglich (vgl. Z. 2). Uhren sind Instrumente, mit denen wir Zeit messen, worum sich ein großer Teil unserer alltäglichen Wahrnehmung dreht. Auf der Sacheben wird hier also die persönliche Wahrnehmung — die Uhr des Erzählers — mit einer gesellschaftlichen Wahrnehmung — die Turmuhr — kontrastiert. Da nie spezifiziert wird, von welcher Art Turmuhr es sich hier handelt, könnte man die allgemeinere Wahrnehmung als verschiedene Lebenssichten interpretieren: Kirchturm für das Spirituelle, Rathausturm für das Gesetzliche oder vielleicht auch einen Turm wie den Elizabeth Tower in London, der ein Wahrzeichen und Symbol des Landes und somit des Volkes ist.
Der Erzähler lässt sich verunsichern; er ist davon überzeugt, dass seine Wahrnehmung falsch sein muss, und geriet daher in Panik. Er fühlt sich der gesellschaftlichen Wahrnehmung untergeordnet, was sich wohl dadurch steigert, dass er noch ein Außenseiter ist (vgl. Z. 4).
Die reinen, leeren Straßen und der frühe Morgen (vgl. Z. 1) sind jetzt kein Zeichen für einen ruhigen Start eines Neubeginns, sondern zeigen wie auf sich allein gestellt der Erzähler wirklich ist. Der Weg ist komplett menschenverlassen, gar trostlos, während der Erzähler atemlos durch die Straßen rennt.
Der Schutzmann scheint für den Erzähler erstmal wie ein Glas Wasser in einer heißen Sandwüste (vgl. Z. 4f.); ein Symbol für Sicherheit und ein Vertreter des Gesetzes und der gesellschaftlichen Moral. Es ist selbstverständlich, dass der Erzähler ihn um Hilfe bitten würde und dass der Schutzmann diese auch gibt. Genau deswegen ist es eine bedeutsame Handlungswende, als der Schutzmann sich als ein weiteres Hindernis in Form einer Zeitverschwendung für den Erzähler entpuppt. Ob der Bahnhof, ein Zentrum der Verbindungen, je erreicht wird, bleibt unbekannt.

Der Fakt, dass der Erzähler noch nicht lange in der Stadt lebt, also noch ein Außenseiter ist (vgl. Z. 4), sich eher auf die Turmuhr — gesellschaftliche Wahrnehmung — als seine eigene verlässt (vgl. Z. 1f.), den Bahnhof und somit Verbindung oder Anschluss zu anderen erreichen will (vgl. Z. 1), lässt einen zu dem Schluss kommen, dass es sich beim Erzähler um einen Immigranten bzw. Einwanderer handelt.
Er sucht Nähe zu anderen durch den Bahnhof, ein Ort wo alle möglichen Arten von Leuten aufeinandertreffen, aber seine Fremdheit wird ihm zum Verhängnis. Viele Immigranten versuchen sich aktiv in die Gesellschaft ihres jetzigen Lebensortes zu integrieren indem sie verschiedene Aspekte der Kultur annehmen.
Der Erzähler in "Gibs auf!" besitzt eine Uhr, der er scheinbar traut, aber verlässt sich im entscheidenden Moment auf die öffentliche Turmuhr, da sie ihm "korrekter" erscheint, obwohl er sich nach eigenen Worten "in dieser Stadt noch nicht sehr gut [auskennt]" (Z. 4). Er entscheidet sich nicht für seinen Instinkt, aber eher dagegen für was er negativ hält aufzufallen.
Der Schutzmann, der eigentlich ein Helfer jeder sein sollte, macht sich über den Erzähler lustig und gibt ihn nicht mal die Chance, sein Ziel zu erreichen (vgl. Z. 7f.). Der Erzähler kann sich nicht auf die Gesellschaft oder das Gesetz verlassen, ihm den Weg zu weisen und ihn zu unterstützen.

 

Man könnte diese Situation sogar auf Kafka selbst übertragen. Dieser lebte als deutschsprachiger Jude in Prag und könnte mit dieser Parabel vielleicht eine Art Frust gegenüber der Naivität und dem blinden Vertrauen von Menschen, vor allem "Fremdartiger", in staatliche Institutionen ausgedrückt haben, da Europa schon seit dem Mittelalter ein sehr judenfeindlicher Ort ist. Diesen Gedanken unterstützt auch der Fakt, dass Kafkas originaler Titel für das Werk "Mein Kommentar" war und Max Brod erst den offiziellen Titel vorschlug.

 

Ob von Kafkas Leben selbst inspiriert oder eben nur eine Beobachtung dessen, die Parabel warnt davor, dass man sich nicht immer auf die Gesellschaft und die öffentliche Moral verlassen kann, da sie einen auch in die Irre führen könnte und sich das Gesetz nicht um jeden einzelnen mit gleicher Sorge kümmert.