Chapter Text
Nico di Angelo irrt orientierungslos durch Manhattan. Es regnet, und seine Sachen sind bereits durchnässt. Er weiß nicht, wohin er gehen soll. Sein Vater hat ihn rausgeworfen, nachdem er herausgefunden hat, dass Nico schwul ist.
Nico hatte nie vor, sich zu outen, aber Hades fand ein LGBTQIA+-Magazin, das Nico sich heimlich besorgt hatte. Als er das sah, schrie er seinen Sohn an und setzte ihn vor die Tür.
Das Einzige, was Nico noch besitzt, sind die Sachen, die er am Leib trägt. Sie sind schon völlig durchnässt. Schließlich lässt er sich erschöpft auf eine Bank an einer Bushaltestelle sinken, versucht, sich so klein wie möglich zu machen. Er will nicht auffallen und sich einfach nur ausruhen.
„Ist alles okay bei dir?“, spricht ihn jemand an.
Nico zuckt zusammen, als er die Stimme hört. Zögernd hebt er seinen Kopf.
„Miss Jackson …“, flüstert er überrascht.
Sally Jackson steht vor ihm. Sie ist die Mutter von Percy Jackson, dem Kapitän der Schwimmmannschaft der Schule und Schulschwarm. Viele an der Goode Highschool sind in ihn verknallt, inklusive Nico di Angelo.
Sally leitet an der Schule einen Koch- und Backkurs, den Nico besucht. Für ihr Talent dafür ist sie an der ganzen Schule bekannt. Außerdem setzt sie sich immer wieder gegen Mobbing ein.
„Nico? Was machst du hier?“, fragt sie besorgt.
Nico schüttelt nur den Kopf und antwortet nicht.
„Lass uns eine heiße Schokolade trinken gehen und uns aufwärmen“, schlägt Sally sanft vor.
Das nimmt Nico zögernd an. Er will zumindest für kurze Zeit aus dem Regen kommen und sich aufwärmen. Sally versucht dabei, ein Gespräch in Gang zu bringen, doch Nico weicht ihr aus, sagt kaum etwas.
„Soll ich dich nach Hause bringen?“, fragt sie schließlich vorsichtig nach.
„Ich habe kein …“, murmelt Nico und schluckt hart.
„Dann komm mit zu mir. Ich habe ein Gästezimmer. Du kannst nicht einfach hier draußen bleiben“, schlägt Sally darauf direkt vor.
„Miss Jackson, ich—“, beginnt Nico.
„Du machst mir keine Umstände. Und bitte nenn mich Sally“, unterbricht sie ihn freundlich.
„Okay …“, stimmt Nico darauf zu.
//Ich werde bei Percy Jackson leben …// denkt Nico ungläubig, als er mit Sally zu ihrer Wohnung geht.
„Ich lasse dir ein warmes Bad ein, danach kannst du dir etwas von Percys Sachen anziehen. Vielleicht können wir morgen zusammen nach Sachen für dich schauen“, sagt Sally und zeigt ihm das Gästezimmer.
„Nein, also … Hades ist eh nie da. Ich kann meine Sachen holen“, wehrt Nico ab.
„Du gehst da nicht alleine hin. Wir regeln das“, reagiert Sally darauf.
Einige Monate später hat Nico sich richtig bei den Jacksons eingelebt. Sie haben gemeinsam seine Sachen geholt. Hades war es egal, als er merkte, dass Nicos Zimmer leer ist. Den Adoptionsantrag von Sally unterschreibt er, sobald er im Briefkasten liegt.
Sally hat sofort gemerkt, dass Nico für ihren Sohn schwärmt. Das ist für sie kein Problem.
Percy ist zwei Jahre älter als Nico und freut sich, einen kleinen Bruder zu haben. Von Nicos Gefühlen ahnt er nichts. Er hat nur Augen für Annabeth, und auch bei ihr hat es Jahre gedauert, bis er merkte, was sie ihm bedeutet.
Je länger sie zusammenleben, desto mehr nimmt Nicos Verliebtheit ab und weicht brüderlichen Gefühlen.
„Lasst uns am Wochenende zum CSD gehen“, schlägt Sally eines Tages vor.
„Super Idee, Mom“, stimmt Percy sofort zu.
„Warum?“, fragt Nico leise nach.
„Um die Liebe zu feiern“, antwortet Sally lächelnd.
„Okay …“, sagt Nico unsicher.
//Sie können es nicht wissen, oder?// denkt er panisch.
Tag des NYC CSD
Nico trägt wie immer schwarze Jeans, ein schwarzes Shirt und seine Fliegerjacke.
Percy trägt eine blaue Jeans und ein Shirt, auf dem „Love is Love“ steht.
„Mom, bist du so weit?“, ruft Percy nach ihr.
„Ja!“, antwortet Sally und kommt mit einem Schild ins Wohnzimmer. Sie trägt ein Shirt mit der Aufschrift Free Mom Hugs.
Stolz zeigt sie den beiden das Schild. Darauf steht:
Deine Eltern akzeptieren dich nicht?
Ich bin jetzt deine Mom.
Denk daran, dich auszuruhen.
Trink etwas.
Vergiss nicht zu essen.
Ich liebe dich.
„Das ist …“, beginnt Nico und schluckt.
„Hey, ist alles okay?“, fragt Percy besorgt.
„Ich … also ich …“, beginnt Nico und ringt nach Luft.
„Lass es raus“, sagt Percy leise.
„Ich bin schwul …“, platzt es aus Nico heraus.
Percy und Sally zögern keine Sekunde. Sie ziehen Nico in eine feste Umarmung.
Später, auf dem Straßenfest, kauft Sally Nico eine Regenbogenflagge, die er sich wie einen Umhang umlegt.
Sie treffen Annabeth, die von ihrem Cousin Magnus Chase und dessen Partnerin Alex Fierro begleitet wird. Alex trägt ein rosa-grünes Paillettenkleid mit der Genderfluid-Flagge als Umhang, und Magnus ein Shirt in den Farben der Pan-Flagge.
„Ich liebe dieses Schild!“, ruft Alex, als sie es sieht, und umarmt Sally, die es freudig erwidert.
Im Laufe des Tages kommen viele Leute zu Sally, um sich ihre „Mom Hugs“ zu holen. Eigentlich stehen sogar wirklich viele dafür an.
„Hey, Nico“, hört er auf einmal eine bekannte Stimme.
„Will?“, fragt Nico, als er diesen erblickt. Er trägt ein Bandana in den Farben der Bi-Flagge.
„Cooler Umhang“, lobt Will Nicos Flagge.
„Cooles Bandana“, erwidert Nico mit roten Wangen.
Gemeinsam verbringt die Gruppe den Tag damit, die Liebe zu feiern. Annabeth tanzt mit Percy, Sally verteilt viele Mom Hugs, auch Alex und Magnus tanzen gemeinsam. Nico verbringt viel Zeit mit Will. Sie wollen nächstes Wochenende auch etwas essen gehen – nur sie zwei, ohne andere Freunde.
