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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Character:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 11 of Zwei kleine Fische in Hamburg
Stats:
Published:
2026-07-01
Completed:
2026-07-02
Words:
2,370
Chapters:
3/3
Kudos:
5
Hits:
30

Umsteigepunkt

Summary:

ENDLICH!! Thorsten hat es geschafft. Er wurde als Polizeischüler akzeptiert. Eigentlich wäre jetzt alles eitle Wonne Sonnenschein, wäre da nicht noch ein klitzekleines verwaltungstechnisches Problem, das droht, Thorstens Traum zum Platz zu bringen.

Notes:

Entstanden im Laufe der Sommerchallenge 2026

Chapter 1

Notes:

Für den Prompt Angst: big brother is watching you

Chapter Text

Der Flur der Polizeischule roch nach neuem Linoleum und nach der Farbe, mit der man über den Sommer die Wände frisch gestrichen hatte. Thorsten stand mit einer Gruppe von vielleicht zwanzig anderen vor dem Anschlagbrett, auf dem die Gruppeneinteilungen hingen, und er hatte das Gefühl, breiter zu grinsen, als es sich für einen angehenden Polizisten gehörte.

Er war dabei.

Nicht Bewerber, nicht Warteliste, nicht "wir melden uns" — dabei.

Sein Name stand unter "Zug 3", zusammen mit Namen, die er noch nicht kannte, die aber ab morgen seine Namen sein würden, so wie die Leute im Haus seine Namen waren, nur eben anders.

Neben ihm lachte ein großer, breiter Kerl laut auf und fragte: "Wer is noch in Zug 3?"

"Ich", meldete sich Thorsten.

Der Große packte seine Hand und drückte fest zu. "Kowalski. Aus Wilhelmsburg."

"Thorsten." Er griff selbst auch ein wenig fester zu als nötig. Damit der Große keine falschen Schlüsse aus Thorstens gerinerr Körpergröße ziehen konnte. Und weil es sich gerade einfach gut anfühlte, fest zuzugreifen.

"Mannheim, oder? Hört man." Kowalski grinste breiter. "Haste dich verlaufen, oder was macht ein Badener hier oben?"

"Hab die große Freiheit gesucht", sagte Thorsten — kaum dass es raus war kam es ihm selbst zu ehrlich vor, aber Kowalski lachte nur, als hätte er einen guten Witz gemacht. Er klopfte Thorsten auf die Schulter.

Für einen Moment war Thorsten von einem Gefühl erfüllt. Es war genau das Gefühl, das Thorsten sich am Weg von Mannheim nach Hamburg ausgemalt hatte, in den Nächten, in denen er noch nicht wusste, ob er überhaupt hier genommen würde. Dazugehören. Nicht der zu kurz gerateneyp mit dem seltsamen Akzent, sondern einer von zwanzig, die morgen alle dasselbe Hemd anziehen würden.

Eine Frau mit Klemmbrett, Mitte vierzig, kurzgeschnittenes Haar, kam den Flur entlang und rief die Zuglisten auf wie eine Lehrerin, die zum ersten Schultag Namen verliest. Als "Zug 3" an der Reihe war, winkte sie sie in einen Raum mit langen Tischen, auf denen Papierstapel lagen, jeder ordentlich mit einer Büroklammer versehen, jeder mit einem Namensschild obenauf.

"Setzen, ausfüllen, unterschreiben, wo ein Kreuz ist", sagte sie, schon halb auf dem Weg den nächsten Zug auszurufen. "Die brauchen wir für die Akte."

Thorsten setzte sich zwischen Kowalski und einen schmalen Kerl, der sich als Walter vorstellte und aussah, als hätte er noch nie in seinem Leben gegen irgendeine Regel verstoßen.

Der erste Bogen war einfach – Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Angaben zu seinen Eltern.

Mannheim, schrieb Thorsten und war überrascht, wie lange er nicht mehr an seine Eltern und seinen Herkunftsort gedacht hatte.

Der zweite Bogen hatte oben ein Dienstsiegel aufgedruckt und darunter, in enger Schreibmaschinenschrift, mehrere Absätze über die Überprüfung persönlicher Zuverlässigkeit gemäß den Einstellungsrichtlinien. Kowalski neben ihm blätterte schon lässig um, kritzelte seine Angaben so gedankenlos hin, als wäre das nur ein Einkaufszettel.

Thorsten las die Zeilen mehrmals, weil sein Hirn spätestens in der zweiten Zeile genug von dem Beamtendeutsch hatte und sich irgendwo anders hin verabschiedete. Irgendwann hatte er dann aber verstanden, was die Kernaussage war und widmete sich den weiteren auszufüllenden Feldern.

Derzeitiger Wohnsitz (mit Meldebescheinigung nachzuweisen).

Thorsten hielt inne. Der Kugelschreiber schwebte über dem Blatt. Um ihn herum kratzten Stifte über Papier, jemand räusperte sich. Von draußen drang Verkehrslärm herein.

Die Spitze des Kugelschreibers stand immer noch über der Linie, auf die er eigentlich seine eigene Wohnadresse schreiben sollte und er war sich der langen Sekunden bewusst, in denen er als einziger nichts schrieb.

Sein Breites Grinsen hatte sich genauso aufgelöst, wie das Gefühl dazuzugehören. Stattdessen wurde ihm klar, dass er ein Problem hatte.